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Das Leistungsvermögen der Bf 109 F-4

Britische Testergebnisse

Die folgende Abbildung zeigt die tabellarische Zusammenfassung der britischen Leistungsangaben. Man beachte, daß die Tabelle in Abb. 22 mit dem 3.7.1942 ein Datum trägt. Damit lag es nur 15 Tage nach der Notiz, die die Frage nach dem Leistungsvermögen des DB 601 E eröffnete. Die Tabelle in Abb. 23 besitzt leider keinerlei Hinweise auf das Datum ihrer Anfertigung.

 




Abb. 24: Tabelle der britischen Testergebnisse zur Bf 109 F-4, 3.7.1942 - Quelle: P.R.O.



Abb. 25: Tabelle der britischen Testergebnisse zur Bf 109 F-4, undatiert - Quelle: P.R.O.

Zuerst wollen wir die datierte Abb. 24 betrachten. Als Startgewicht wird etwa 2812 kg, als Landegewicht 2404 kg angegeben. Gemäß der Notiz (2) sollen sowohl Start- wie auch Landegewicht ohne Treibstoff, Bomben, Munition oder abwerfbare Zuladungen gewesen sein. Wenn dies zutreffen würde, worin sollten dann die 408 kg Unterschied zwischen Start- und Landegewicht bestanden haben? Diese Gewicht entspricht ungefähr der vollen Treibstoff- und Schmierstoffbetankung, zuzüglich der gesamten Munition. Es erscheint also, daß diese Notiz nur auf das Landegewicht zutrifft. Es verwundert auch, daß das Startgewicht mehr als 50 kg unter den deutschen Angaben lag.

Wir finden jedoch noch eine weitere Unstimmigkeit. Gemäß den deutschen Ladeplänen war das kleinstmögliche Landegewicht 2555 kg, da der Treibstoff nicht vollständig leergeflogen werden konnte. Die britische Messung lag bei 2404 kg, also hätte der Tank leergepumpt werden müssen, um dies zu erreichen.

In den Angaben der undatierten Abb. 25 ist das Startgewicht auf 2912 kg gewachsen, was ohne montierte Bombenschlösser eigentlich kaum möglich war oder die Wiegung war nicht genau genug. Auch hier ist mit 2526 kg das Landegewicht geringer als angegeben, als bei maximalem Ausfliegen des Treibstoffs möglich war. Aber mit 122 kg mehr als in Abb. 24, sieht das Gewicht weitaus plausibler aus.

Als Steigzeiten wird in Abb. 24 5,2 Minuten auf ca. 5028 m und in Abb. 25 5,7 Minuten auf etwa 5486 m Höhe angegeben. Gemäß allen deutschen Quellen betrug die Steigzeit bei Steig-/Kampfleistung auf 5000 m ca. 4,9 Minuten und auf 5500 m etwa 5,4 Minuten. Ein weiteres Indiz, daß bei den britischen Angaben die normale Steig-/ Kampfleistung des DB 601 E nicht erreicht wurde. Man erinnere sich, diese war selbst in der anfänglichen Problemzeit uneingeschränkt für die übliche Dauer von 30 Minuten erlaubt.

Zum Abschluß wenden wir uns jetzt den gemessenen Höchstgeschwindigkeiten zu. In Abb. 24 werden 498 km/h in Bodenhöhe, 627 km/h in 6705 m Höhe und 587 km/h in 9143 m Höhe aufgelistet. Dagegen werden in Abb. 25 trotz höherem Gewicht 511 km/h in Bodenhöhe und 603 km/h in 9143 m Höhe genannt. Diesen Angaben zufolge blieb die Höchstgeschwindigkeit gleich.

Der Autor nahm fälschlicherweise an, daß wie schon die Steigzeiten so auch die britischen Höchstgeschwindigkeiten einen deutlichen Hinweis darauf geben würden, daß der zur Verfügung stehende Motor nicht einmal die normale Leistungsabgabe für Steig-/Kampfleistung erreichte.

 

Die wirkliche Erklärung ist aber weitaus einfacher. Die oben gezeigten britischen Leistungsangaben hatten keinerlei Testflüge als Grundlage. Im Buch "War Prizes" von Phil Butler wird angegeben, daß die Bf 109 F-4 mit der Werksnummer 7232 eine Bauchlandung in Beachy Head am 20.5.1942 machte. Nach Ersatz des beschädigten Motors wurde das Flugzeug am 24.10.1943 zum ersten mal von britischen Piloten geflogen. Meßergebnisse von Testflügen mit diesem Flugzeug sind nicht dokumentiert, eine andere Bf 109 F-4 wurde niemals erbeutet.

Woher stammen also die britischen Leistungsangaben vom August 1942? Aller Wahrscheinlichkeit nach, wurden die wirklich erflogenen Meßergebnisse einer Bf 109 F-2 als Basis genommen und aufgrund der Motorenkarte des DB 601 E extrapoliert. Dazu ist zu sagen, daß die Messungen der Bf 109 F-2 Leistungen fehlerhaft waren, da während der ganzen Tests der Motor häufig Probleme bereitete und mehrmals repariert werden mußte. Die britischen Autoren des Bf 109 F-2 Testberichts hatten klar herausgestellt, daß die Meßergebnisse deshalb als Mindestleistungen betrachtet werden sollten.


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